Wohin entwickelt sich Camping?

Eigentlich müsste der Campingboom längst vorbei sein. Während Corona waren Fahrzeuge ausverkauft, Lieferzeiten lang und Campingplätze voll. Danach kamen Inflation, hohe Zinsen und Reisemobile, bei deren Preisschild man kurz überprüfen möchte, ob versehentlich eine kleine Eigentumswohnung ausgezeichnet wurde. Trotzdem ist Camping nicht wieder in der Nische verschwunden. Im Gegenteil. 2025 wurden in Deutschland rund 56 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen gezählt, hinzu kamen rund 20 Millionen Übernachtungen auf Stellplätzen. Camping ist also weiterhin populär. Aber die Branche verändert sich, und manches, was während der Boomjahre selbstverständlich erschien, wird gerade neu sortiert.

Camping ist im Mainstream angekommen

56 Millionen Übernachtungen sind keine Zahl für ein etwas spleeniges Freizeitvergnügen. Camping ist längst ein relevanter Teil des Tourismus, und damit verändern sich auch die Erwartungen. Wer heute einen Campingplatz bucht, erwartet häufig Dinge, die vor 20 Jahren keineswegs selbstverständlich waren. Vernünftige Sanitäranlagen gehören ebenso dazu wie gutes WLAN, Online-Buchung, Gastronomie oder zumindest eine Infrastruktur, die nicht den Eindruck macht, sie sei 1987 zum letzten Mal modernisiert worden. Das muss nicht bedeuten, dass jeder Campingplatz zur Ferienanlage mit Poollandschaft und Animation wird. Im Gegenteil. Ich mag kleine Plätze, auf denen nicht viel passiert. Aber auch dort möchte ich heute unkompliziert buchen und mit Karte bezahlen können.

Der Corona-Boom ist vorbei, Camping nicht

Auch der Fahrzeugmarkt zeigt diese Normalisierung. 2025 wurden in Deutschland gut 94.000 neue Freizeitfahrzeuge zugelassen. Das waren etwas weniger als im Vorjahr, wobei Reisemobile sogar leicht zulegen konnten. Noch interessanter finde ich den Gebrauchtmarkt. Mehr als 192.000 gebrauchte Freizeitfahrzeuge wechselten 2025 den Besitzer, so viele wie nie zuvor. Darin zeigt sich ziemlich gut, was gerade passiert. Die Menschen haben nicht plötzlich die Lust am Camping verloren, sie schauen aber genauer aufs Geld. Ein gebrauchtes Wohnmobil oder ein Mietfahrzeug kann schließlich genauso zuverlässig an einen See in Schweden fahren wie ein Neufahrzeug mit fünfstelliger Aufpreisliste.

Vielleicht werden wir wieder vernünftiger

In den vergangenen Jahren wurden Fahrzeuge immer größer, schwerer und teurer. Gleichzeitig ließ sich jeder freie Zentimeter mit zusätzlicher Technik ausstatten. Solaranlage, Lithiumbatterie, Wechselrichter, Klimaanlage, Satellit, Fernseher und elektrische Hubstützen. Irgendwann hatte man ein Fahrzeug gekauft, um möglichst unabhängig zu reisen, und benötigte eine Bedienungsanleitung wie für ein kleines Passagierflugzeug. Ich glaube deshalb, dass die Frage „Was brauche ich wirklich?“ wieder wichtiger wird. Davon könnten kleinere Fahrzeuge ebenso profitieren wie Gebrauchtmarkt und Vermietung. Schließlich muss nicht jeder Mensch, der gerne mit einem Camper verreist, zwangsläufig einen besitzen.

Campingplätze müssen professioneller werden

Auch die Plätze verändern sich. Eine Schranke, die zwischen zwölf und drei Uhr geschlossen bleibt, passt immer weniger zu Menschen, die ansonsten ihre komplette Reise über das Smartphone organisieren. Digitale Buchung und Bezahlung, automatisierter Check-in, vernünftiges WLAN und flexiblere Anreise werden selbstverständlicher werden. Gleichzeitig hoffe ich, dass Camping dabei nicht zu einem Hotelbetrieb wird, bei dem zufällig Wohnmobile auf dem Parkplatz stehen. Denn ein Teil des Reizes liegt gerade darin, dass nicht alles durchstandardisiert ist. Ich möchte nicht überall in Europa dieselbe Urlaubswelt vorfinden.

Stellplätze werden wichtiger

Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, reist häufig anders als jemand mit Wohnwagen. Viele bleiben nur eine oder zwei Nächte und ziehen dann weiter. Dafür braucht es nicht immer einen voll ausgestatteten Campingplatz. Ein guter Stellplatz mit Strom, Wasser und Entsorgung reicht oft vollkommen. Gerade für Städte und kleinere Gemeinden steckt darin eine Chance. Wohnmobilreisende übernachten nicht nur. Sie kaufen ein, gehen essen, besuchen Museen oder fahren mit dem Fahrrad in die Umgebung. Ein vernünftig geplanter Stellplatz ist deshalb auch touristische Infrastruktur und kann lokale Wirtschaft fördern.

Elektrisch wird es ebenfalls

Die Elektrifizierung von Wohnmobilen ist allerdings komplizierter, als manche Präsentation auf einer Messe vermuten lässt. Ein elektrischer Camper braucht nicht nur Reichweite und Ladeleistung, sondern eine Ladeinfrastruktur, die mit großen und hohen Fahrzeugen funktioniert. Wer schon einmal mit einem langen Camper versucht hat, eine normale Ladesäule zwischen Pollern, Bordsteinen und Blumenkübeln zu erreichen, versteht das Problem ziemlich schnell. Trotzdem wird die Elektrifizierung kommen. Wahrscheinlich zunächst stärker bei kompakten Campervans als bei großen Reisemobilen. Parallel wird auch auf Campingplätzen die Frage wichtiger, wie Ladeinfrastruktur und steigender Strombedarf sinnvoll zusammengebracht werden können.

Digitaler, aber hoffentlich nicht vollständig digital

Ich liebe gute Apps. Ich möchte einen Campingplatz unterwegs finden, sehen, ob noch etwas frei ist, buchen und bezahlen können. Aber ich möchte nicht für jede Dusche einen QR-Code scannen und drei Benutzerkonten anlegen. Camping lebt für mich ohnehin von einem interessanten Widerspruch: Wir kaufen immer bessere Technik, um anschließend draußen vor dem Camper zu sitzen und möglichst wenig zu tun. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Camping auch nach dem Boom nicht wieder verschwindet. Es wird professioneller, digitaler und wahrscheinlich noch vielfältiger. Neben großen Wohnmobilen stehen kompakte Campervans, neben klassischen Campingplätzen entstehen Stellplätze und neue Übernachtungsformen. Mieten und Gebrauchtkauf werden wichtiger, gleichzeitig verändert neue Technik die Fahrzeuge. Im Kern bleibt aber erstaunlich viel gleich. Menschen wollen raus, unterwegs sein und selbst entscheiden, wann sie fahren und wo sie bleiben. Und wenn man abends vor dem Camper, Wohnwagen oder Zelt sitzt und für einen Moment denkt, dass man gerade eigentlich nicht mehr braucht, funktioniert Camping noch genauso wie früher.

Camping für Anfänger: Einfach mal los

Mein erster Campingurlaub liegt mehr als 40 Jahre zurück. Man sollte also meinen, dass ich inzwischen ziemlich genau weiß, wie es geht. Camping-Experte kommt ja nicht von ungefähr. Tja, trotzdem vergesse ich Dinge, kaufe Ausrüstung, die ich später kaum benutze, und stehe gelegentlich mit dem Camper so schief, dass morgens selbst der Kaffee eine leichte Schlagseite hat.

Das ist vielleicht die erste gute Nachricht für Camping-Anfänger: Man muss Camping nicht perfekt beherrschen. Viel wichtiger ist, überhaupt anzufangen und dabei herauszufinden, welche Art des Campings zu einem passt.

Wie möchte ich eigentlich reisen?

Bevor es um Fahrzeuge, Zelte oder Campingplätze geht, würde ich mir deshalb eine andere Frage stellen: Wie möchte ich unterwegs sein? Wer zwei Wochen an einem Ort verbringen will, kann mit einem Wohnwagen oder Zelt wunderbar glücklich werden. Wer alle zwei oder drei Tage weiterzieht, wird die Vorteile eines Wohnmobils schnell zu schätzen wissen. Und wer gerne Städte besucht, kleine Straßen fährt und auch im Alltag ein halbwegs handliches Fahrzeug möchte, sollte sich Campervans genauer ansehen. Es gibt nicht die beste Form des Campings. Es gibt nur eine, die besser zu den eigenen Reisegewohnheiten passt.

Nicht gleich einen Camper kaufen

Camping sieht auf Instagram hervorragend aus. Schiebetür auf, Meer davor, Kaffee in der Hand und selbstverständlich scheint die Sonne. Was man auf dem Bild nicht sieht: Seit elf Stunden regnet es, die nassen Jacken hängen über den Vordersitzen und irgendjemand muss dringend auf Toilette. Deshalb würde ich vor einem Kauf immer erst ausprobieren. Camper mieten, Zelt leihen oder ein Wohnmobil für ein verlängertes Wochenende buchen. Schon nach wenigen Tagen lernt man erstaunlich viel über die eigenen Bedürfnisse. Brauche ich wirklich eine Dusche? Möchte ich jeden Abend das Bett umbauen? Wie wichtig ist eine eigene Toilette? Reicht mir ein kleiner Kühlschrank? Und will ich mit diesem Fahrzeug tatsächlich durch eine enge Altstadt fahren? Wer danach immer noch begeistert ist, kann anfangen, Geld auszugeben. Die Campingbranche bietet dafür genügend Möglichkeiten.

Weniger einpacken

Fast jeder Anfänger nimmt zu viel mit. Das gilt für Kleidung und Lebensmittel, vor allem aber für Ausrüstung. Für die ersten Reisen braucht man erstaunlich wenig: etwas zum Schlafen und Sitzen, eine Kochmöglichkeit, Geschirr, Licht, wetterfeste Kleidung und je nach Fahrzeug die notwendige technische Grundausstattung. Alles Weitere entwickelt sich unterwegs. Ich habe mir angewöhnt, Dinge im Camper gelegentlich einer ziemlich einfachen Prüfung zu unterziehen. Was auf mehreren Reisen nicht benutzt wurde, muss zumindest erklären können, warum es weiterhin mitfahren möchte. Schließlich kostet jeder Gegenstand Platz und zusätzliches Gewicht.

Für die erste Tour muss es nicht bis ans Nordkap gehen

Der erste Campingplatz darf ruhig ein oder zwei Stunden von zuhause entfernt sein. Das klingt weniger abenteuerlich als ein dreiwöchiger Roadtrip durch Skandinavien, nimmt aber viel Druck aus der Sache. Wenn etwas fehlt, lässt es sich meistens organisieren. Wenn das Wetter komplett kippt oder man feststellt, dass Camping doch nicht die große Liebe ist, fährt man eben wieder nach Hause. Und wenn alles großartig ist, hat man schon nach dem ersten Wochenende verstanden, warum so viele Menschen diese Form des Reisens mögen.

Ein bisschen Technik gehört dazu

Beim Camping lernt man zwangsläufig ein paar neue Dinge. Wo kommt das Frischwasser hinein? Wohin mit dem Grauwasser? Wie funktioniert die Toilette? Wie schließe ich Strom an und wie viel Gas ist eigentlich noch in der Flasche? Das ist kein Hexenwerk, sollte bei einem Mietfahrzeug aber ordentlich erklärt werden. Ich mache bei einer Übergabe lieber ein Foto oder ein kurzes Video zu viel, als drei Tage später vor irgendeinem Ventil zu sitzen und zu überlegen, was mir der Mitarbeiter der Vermietstation dazu erzählt hat. Nach ein paar Tagen wirken die meisten Abläufe ohnehin selbstverständlich.

Ja, wir müssen über die Toilette reden

Eine Campingtoilette zu leeren gehört nicht zu den Momenten, die später im Fotoalbum landen. Es ist aber auch kein Drama. An der Entsorgungsstation wird die Kassette dort geleert, wo sie hingehört, anschließend gereinigt und wieder eingesetzt. Natürlich gehört der Inhalt niemals irgendwo in die Natur. Und wenn wir schon bei der Entsorgungsstation sind: Dort gibt es häufig unterschiedliche Schläuche für Frischwasser und Reinigung. Wer einmal gesehen hat, was manche Menschen mit dem Reinigungsschlauch anstellen, achtet danach sehr genau darauf, welchen Schlauch er in seinen Frischwassertank steckt.

Camping ist kein Wettbewerb

Auf dem Nachbarplatz steht vielleicht ein Wohnmobil mit Solaranlage, Satellitenschüssel, vier Fahrrädern, Gasgrill und einem Teppich vor der Markise. Das bedeutet nicht, dass man all diese Dinge ebenfalls braucht. Camping kann schnell zu einem Hobby werden, bei dem sich erstaunlich viel optimieren lässt. Das macht durchaus Spaß, kann aber auch davon ablenken, warum man überhaupt losgefahren ist. Denn am Ende geht es nicht darum, die perfekte Ausrüstung zu besitzen. Man ist unterwegs, schläft an Orten, an denen man sonst vielleicht nie übernachten würde, sitzt abends draußen und wacht morgens irgendwo anders auf.

Und wenn etwas schiefgeht?

Dann hat man später meistens eine gute Geschichte. Ich hatte Reisen mit Dauerregen, Technikproblemen, Mücken, Kälte und Hitze. Ich war auf Campingplätzen, die auf den Fotos erheblich schöner aussahen als in Wirklichkeit, und habe Dinge vergessen, die ich für unverzichtbar hielt. Trotzdem erinnere ich mich an die meisten dieser Reisen gerne. Vielleicht ist das deshalb mein wichtigster Tipp für Camping-Anfänger: Versucht nicht, den perfekten Campingurlaub zu planen. Sucht euch einen Ort aus, packt nicht zu viel ein und fahrt los.

Den Rest lernt man unterwegs.

Was kostet Camping wirklich?

Camping ist günstig. Das gehört zu diesen Sätzen, die sich erstaunlich lange halten. Vermutlich steht er irgendwo zwischen „Im Wohnmobil ist man völlig frei“ und „Wildcampen darf man doch für eine Nacht“.

Dabei stimmt er sogar. 

Manchmal.

Wer mit einem kleinen Zelt unterwegs ist, sein Fahrrad vor dem Eingang parkt und abends Nudeln auf dem Gaskocher warm macht, kann ziemlich günstig Urlaub machen. Wer dagegen mit einem 80.000-Euro-Wohnmobil auf einem Fünf-Sterne-Platz direkt am Gardasee steht, sollte sich mit dem Begriff Sparurlaub vielleicht etwas zurückhalten. Camping ist keine Preisklasse. Camping ist eine Reiseform. Und die kann sehr billig oder ziemlich teuer sein.

Was kostet ein Campingplatz?

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: dem Stellplatz. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind zahlt laut PiNCAMP 2026 in der Hochsaison auf einem deutschen Campingplatz durchschnittlich rund 41 Euro pro Nacht. Deutschland gehört damit im europäischen Vergleich sogar zu den günstigeren Campingländern. Anderswo sieht es anders aus. In Italien liegt der Durchschnitt bei gut 60 Euro, in Kroatien bei mehr als 70 Euro. Und Durchschnitt bedeutet natürlich: Es geht noch deutlich teurer.

Wer in der Hauptsaison einen beliebten Platz direkt am Meer bucht, vielleicht mit Poollandschaft, Animation und privatem Sanitär, kann inzwischen problemlos in Preisregionen kommen, in denen auch ein Hotel wieder interessant wird. Dazu kommen je nach Platz Strom, Hund, zusätzliche Personen, Kurtaxe, Dusche oder andere Extras. Die alte Rechnung „Campingplatz gleich 20 Euro“ funktioniert jedenfalls nur noch selten.

Das Fahrzeug ist der dickste Brocken

Der größte Kostenfaktor steht meistens schon vor der Reise vor der Tür. Ein Campervan oder Wohnmobil kostet Geld. Ziemlich viel Geld. Zum Kaufpreis kommen Versicherung, Steuer, Wartung, Reparaturen, Reifen, Hauptuntersuchung und eventuell ein Stellplatz für die Monate, in denen das Fahrzeug nicht unterwegs ist. Und natürlich Wertverlust. Gerade der wird bei der romantischen Rechnung gerne vergessen.

Wer für einige Wochen im Jahr verreist, sollte deshalb sehr genau überlegen, ob ein eigenes Fahrzeug wirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. Mieten kann teuer wirken, am Ende aber erheblich günstiger sein. Ich würde ohnehin jedem Camping-Anfänger empfehlen, zunächst zu mieten. Nicht nur wegen des Geldes.

Nach zwei Wochen weiß man sehr viel besser, ob man wirklich ein sieben Meter langes Wohnmobil braucht. Oder ob man sich darin hauptsächlich darüber ärgert, dass man mit dem Ding nicht in die Innenstadt fahren möchte.

Dann kommt der Sprit

Ein Wohnmobil bewegt nicht nur Menschen, sondern Küche, Schlafzimmer, Bad, Frischwasser und ziemlich viel Zeug durch die Gegend. Das merkt man an der Tankstelle. Je nach Fahrzeug, Motorisierung, Gewicht und Fahrweise kann der Verbrauch deutlich über dem eines normalen Pkw liegen. Dazu kommen auf längeren Reisen Maut, Fähren, Brücken oder Tunnel. Wer nach Skandinavien fährt, rechnet anders als jemand, der zwei Wochen auf einem Campingplatz an der Ostsee bleibt. Deshalb ist die Frage „Was kostet Camping?“ ohne die Frage „Wie campst du?“ eigentlich nicht zu beantworten.

Und dann kaufen wir Zeug

Camping hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Man entdeckt ständig Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie dringend braucht. Stühle. Tische. Grill. Kabeltrommel. Auffahrkeile. Wasserschlauch. Fahrradträger. Markise. Solaranlage. Powerstation. Espressomaschine. Irgendwann besitzt man eine faltbare Schüssel für 29 Euro und kann nicht mehr erklären, wie man vorher ohne sie leben konnte. Vieles davon ist praktisch. Vieles braucht man nicht. Mein Tipp für Einsteiger ist deshalb sehr einfach: Erst fahren, dann kaufen. Nach ein paar Reisen merkt man ziemlich schnell, was wirklich fehlt.

Selbstversorgung spart. Theoretisch.

Eine Küche gehört zu den großen Vorteilen des Campings. Frühstück vor dem Camper, Kaffee selbst kochen, abends Pasta statt Restaurant. Damit lässt sich tatsächlich Geld sparen. Theoretisch. Praktisch liegt der Campingplatz manchmal in Südfrankreich, das Restaurant direkt am Hafen und auf der Karte stehen Moules-frites und eine Flasche Rosé. Dann scheitert die Sparstrategie an den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Aber grundsätzlich gilt: Wer viel selbst kocht und einkauft, kann seine Urlaubskosten beim Camping gut kontrollieren.

Ist Camping nun günstig?

Es kann günstig sein. Das ist etwas anderes. Camping gibt einem sehr viel Kontrolle darüber, wofür man sein Geld ausgibtEin einfacher Stellplatz, selbst kochen, wenige Kilometer fahren: relativ preiswert. Luxusplatz am Mittelmeer, großes Wohnmobil, Restaurant und tägliche Ausflüge: nicht preiswert. Und genau darin liegt für mich ein Teil des Reizes. Man kann Camping ziemlich gut an das eigene Budget anpassen. Nur eines sollte man sich nicht einreden: Ein Wohnmobil für 80.000 Euro zu kaufen, damit man anschließend 120 Euro für ein Hotel spart, ist keine Sparmaßnahme. Es ist Camping. Und das ist als Begründung eigentlich völlig ausreichend.

Camping für Anfänger: Die Fehler, die wirklich jeder macht

Beim ersten Campingurlaub nimmt man zu viel mit. Das ist kein Vorurteil, sondern beinahe ein Naturgesetz. Man steht zu Hause vor dem Camper und überlegt, was man unterwegs brauchen könnte. Eine zweite Pfanne vielleicht. Drei Paar Schuhe mehr. Werkzeug. Ersatzdecken. Ein Verlängerungskabel. Noch ein Verlängerungskabel. Und irgendwo findet sich bestimmt noch Platz für die große Campingliege.

Ich campe seit mehr als 40 Jahren. Erst im Zelt, später im Bulli, dann im Wohnmobil. Zeitweise war ich mehr als 100 Tage im Jahr unterwegs, 2021 habe ich sogar eine Weile in meinem alten Wohnmobil gelebt und gearbeitet. Trotzdem ertappe ich mich noch heute gelegentlich bei dem Gedanken: Das könnte unterwegs nützlich sein.

Meistens ist es das nicht.

Camping lernt man eben nicht vollständig aus Büchern, Videos oder Packlisten. Nicht einmal, wenn man selbst ein Buch darüber geschrieben hat und inzwischen ein Camping-Experte ist. Man lernt es unterwegs. Und einige Fehler gehören offenbar dazu.

Fehler Nummer eins: Für jede Situation gerüstet sein wollen

Das vielleicht größte Missverständnis beim Camping lautet: Wir müssen alles dabeihaben. Müssen wir nicht. Campingplätze liegen in der Regel nicht außerhalb der Zivilisation. Es gibt Supermärkte, Baumärkte und Campinggeschäfte. Wenn tatsächlich etwas fehlt, lässt es sich meistens kaufen.

Viel problematischer ist das, was nicht fehlt. Jeder zusätzliche Gegenstand braucht Platz und bringt Gewicht. Bei Wohnmobilen und Wohnwagen kommt irgendwann die zulässige Gesamtmasse ins Spiel. Bei Vans merkt man bereits vorher, dass fünf Dinge aus dem Schrank fallen, wenn man an das sechste herankommen möchte.

Mein Rat für die erste Reise ist deshalb ziemlich einfach: weniger. Und nach der Reise schaut man sich an, was man kein einziges Mal benutzt hat. Bei der nächsten Tour bleibt davon möglichst viel zu Hause.

Der Camper ist kein Auto mit Schlafzimmer

Die erste Fahrt mit einem größeren Wohnmobil kann irritierend sein. Plötzlich sitzt man deutlich höher, das Fahrzeug ist breiter, länger und vor allem höher als der eigene Pkw. Kurven brauchen mehr Platz. Der Bremsweg fühlt sich anders an. Beim Rückwärtsfahren ist dort, wo sonst die Heckscheibe wäre, möglicherweise eine Wand.

Das alles ist kein Problem, wenn man sich darauf einstellt. Problematisch wird es, wenn man nach zehn Minuten fährt, als säße man wieder im eigenen Auto. Besonders die Fahrzeughöhe sollte man kennen. Nicht ungefähr. Sondern in Metern und Zentimetern. Brücken, Parkhäuser, Äste, Tankstellendächer und Durchfahrten interessieren sich nämlich wenig dafür, dass man gerade Urlaub hat. Ich würde die Höhe auf einen Zettel schreiben und gut sichtbar ins Cockpit legen. Ja, das wirkt etwas albern. Ein abgerissenes Dachfenster wirkt allerdings alberner.

Die schönste Route ist manchmal die schlechteste

Google Maps findet wunderbare Straßen. Manche davon möchte man mit einem Wohnmobil trotzdem nicht kennenlernen. Bei einer Reise durch Sardinien musste ich das schmerzlich feststellen. Wir suchten einen Platz für die Nacht, es fing an zu regnen. Ein Fleckchen direkt am Meer sah auf der Karte super aus, sogar eine Straße dorthin wurde angezeigt. Die Realität sah so aus: Die viel zu enge Straße endete irgendwann vor einem riesigen Schlagloch, an eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Also Rückwärtsgang einlegen und Zentimeter für Zentimeter zwei Kilometer zurück. Wir schliefen letztendlich auf einem Supermarkt-Parkplatz.

Navigation im Camper funktioniert anders als im Pkw. Eine Strecke kann auf der Karte perfekt aussehen und in der Realität durch enge Ortskerne, über schmale Straßen oder unter niedrigen Brücken hindurchführen. Deshalb lohnt sich ein Navigationssystem oder eine App, bei der sich die Fahrzeugmaße hinterlegen lassen.

Und manchmal hilft die älteste Navigationsmethode der Welt: auf Schilder schauen. Wenn vor einer Straße ein Schild steht, das eine Durchfahrt für Fahrzeuge der eigenen Größe ausschließt, gewinnt das Schild gegen die App. Immer.

Zu viel Strecke planen

Dieser Fehler ist besonders verführerisch. Man schaut auf die Karte und denkt: Wenn wir schon einmal da sind, könnten wir doch noch schnell dorthin. Und wenn wir dort sind, ist dieser andere Ort schließlich auch nur 180 Kilometer entfernt. So entsteht aus einem Campingurlaub eine Lieferroute.

Mit dem Camper unterwegs zu sein, bedeutet für mich gerade, nicht jeden Tag möglichst viele Kilometer abzureißen. Man braucht Zeit zum Ankommen, Aufbauen, Einkaufen, Kochen, Spazierengehen und Herumsitzen. Letzteres wird bei der Reiseplanung sträflich unterschätzt.

Ein guter Campingtag kann daraus bestehen, morgens die Tür zu öffnen, Kaffee zu kochen und festzustellen, dass man heute nirgendwohin muss. Dafür muss im Reiseplan allerdings Platz sein.

Jeden Campingplatz vorher buchen

Das Gegenteil kann genauso anstrengend werden. Wer jede Nacht Wochen vorher reserviert, besitzt Planungssicherheit. Gleichzeitig wird aus einer Reise schnell eine Kette von Terminen. Dienstag müssen wir dort sein. Donnerstag geht es weiter. Samstag wartet der nächste Platz.

In der Hochsaison und in beliebten Regionen sind Reservierungen sinnvoll oder sogar notwendig. Das gilt auch, wenn man mit Kindern reist oder einen ganz bestimmten Platz ansteuern möchte. Aber wenn Reisezeit und Region es erlauben, lasse ich gern Lücken.

Vielleicht gefällt ein Ort besser als erwartet. Vielleicht regnet es drei Tage. Vielleicht gibt jemand auf dem Campingplatz einen Tipp für einen See, von dem man vorher noch nie gehört hat. Ein bisschen Ungewissheit gehört für mich zum Camping. Sonst könnte ich auch eine Pauschalreise buchen.

Zu spät ankommen

Spontan reisen bedeutet allerdings nicht, nachts um halb elf auf einem Campingplatz aufzutauchen und zu erwarten, dass jemand begeistert die Schranke öffnet. Campingplätze haben Anreisezeiten. Rezeptionen schließen. Ruhezeiten beginnen. Gerade Anfänger unterschätzen, wie angenehm es ist, bei Tageslicht anzukommen. Man findet seinen Stellplatz, kann in Ruhe rangieren, Strom anschließen und herausfinden, wo Sanitärgebäude, Wasserstelle und Müllentsorgung liegen. Das alles funktioniert im Dunkeln ebenfalls. Es macht nur deutlich weniger Spaß.

Den Stellplatz nicht ansehen

Ankommen, einparken, fertig. Fast. Vorher lohnt sich ein kurzer Blick auf den Stellplatz. Wo steht man möglichst gerade? Wo ist der Stromanschluss? In welche Richtung fährt die Markise aus? Wo sitzen später die Nachbarn? Gibt es Äste, Steine oder eine Senke? Und vor allem: Komme ich morgen wieder weg?

Das klingt banal. Bis man morgens feststellt, dass ein Baum exakt dort steht, wo man zum Rangieren Platz bräuchte. Zwei Minuten Nachdenken vor dem Einparken können erstaunlich viel Rangierarbeit sparen.

Strom ist nicht einfach Strom

Stecker rein, fertig. Auch hier lautet die Antwort: fast. Auf vielen europäischen Campingplätzen ist der blaue CEE-Stecker Standard. Ein passendes Kabel gehört deshalb zur Grundausstattung. Adapter können ebenfalls sinnvoll sein. Interessanter wird die Frage, wie viel Strom der Stellplatz tatsächlich liefert. Nicht jeder Anschluss ist gleich stark abgesichert. Wer gleichzeitig Wasserkocher, Heizlüfter, Kaffeemaschine und Föhn betreibt, kann deshalb schneller für Dunkelheit sorgen als geplant. Camping bringt einem ganz nebenbei erstaunlich viel über Watt, Ampere und die Leistungsaufnahme von Haushaltsgeräten bei. Meistens unmittelbar nachdem die Sicherung herausgeflogen ist.

Wasser wie zu Hause verbrauchen

Zu Hause dreht man den Hahn auf. Im Camper hört man irgendwann die Wasserpumpe und beginnt nachzurechnen. Wie groß war der Tank noch einmal? Wer nicht dauerhaft an Frisch- und Abwasser angeschlossen ist, entwickelt schnell ein anderes Verhältnis zu Wasser. Duschen, Abwaschen, Zähneputzen und Kochen verbrauchen erstaunliche Mengen. Das bedeutet nicht, dass Campingurlaub aus drei Wochen Katzenwäsche bestehen muss. Man lernt nur, Wasser bewusster zu benutzen. Und irgendwann erkennt man erfahrene Camper auch daran, wie effizient sie Geschirr spülen können.

Den Abwassertank vergessen

Frischwasser fällt auf, wenn es leer ist. Abwasser fällt auf, wenn es voll ist. Idealerweise bemerkt man beide Situationen etwas früher. Grauwasser aus Küche und Dusche gehört an die dafür vorgesehenen Entsorgungsstationen. Gleiches gilt selbstverständlich für die Kassettentoilette. Beides einfach irgendwo in der Natur zu entsorgen, ist keine clevere Abkürzung. Eine der nützlichsten Campingroutinen lautet deshalb: Bei jeder passenden Gelegenheit kurz überlegen, was aufgefüllt und was geleert werden sollte. Wer wartet, bis etwas dringend wird, entdeckt die nächste Entsorgungsstation garantiert 80 Kilometer entfernt.

Auffahrkeile sind keine Dekoration

Der Stellplatz sieht gerade aus. Ist er nicht. Das merkt man spätestens nachts im Bett, wenn man das Gefühl hat, langsam Richtung Fußende zu rutschen. Auffahrkeile gehören für mich deshalb zu den unspektakulären Dingen, deren Sinn man manchmal erst nach der ersten schiefen Nacht versteht. Man muss den Camper nicht mit der Wasserwaage auf Laborstandard ausrichten. Aber halbwegs gerade schläft es sich besser. Auch Kühlschränke können je nach Bauart empfindlich auf starke Schräglage reagieren.

Die Markise bleibt nicht einfach draußen

Sonne. Blauer Himmel. Kein Wind. Also Markise raus. Ein paar Stunden später zieht eine Böe über den Platz. Markisen entwickeln dabei erstaunliche Kräfte. Deshalb gehören sie ordentlich abgespannt oder bei stärkerem Wind eingefahren. Wer den Platz für längere Zeit verlässt, sollte ebenfalls überlegen, ob sie draußen bleiben muss. Das Wetter diskutiert nicht darüber, ob man nur kurz zum Supermarkt wollte.

Camping ist kein Wettbewerb

Der Nachbar hat Solar auf dem Dach, Lithiumbatterien im Doppelboden, eine Außendusche, Satelliteninternet und vermutlich könnte sein Wohnmobil im Notfall eine Kleinstadt mit Strom versorgen. Schön für ihn. Man braucht das alles nicht, um campen zu können. Gerade Anfänger geraten schnell in eine Ausrüstungsspirale. Noch bevor die erste Reise begonnen hat, werden Dinge gekauft, von denen man vorher nicht wusste, dass sie existieren. Meine Empfehlung wäre heute: erst fahren. Danach weiß man ziemlich schnell, was tatsächlich fehlt. Campingausrüstung löst Probleme. Man sollte nur warten, bis man das Problem überhaupt hat.

Und dann sind da noch die anderen

Camping bedeutet Nähe. Der nächste Stellplatz beginnt manchmal zwei Meter hinter der eigenen Markise. Man hört Gespräche, Kinder, Hunde, Geschirr und gelegentlich Musik, bei der man sich fragt, warum ausgerechnet dieses Lied die Erfindung des Bluetooth-Lautsprechers überlebt hat. Ein bisschen Rücksicht macht das Zusammenleben erheblich angenehmer. Nicht quer über fremde Stellplätze laufen. Nachts leise sein. Den Hund nicht überall hinpinkeln lassen. Abwasser korrekt entsorgen. Den Motor nicht minutenlang im Stand laufen lassen. Eigentlich sind die meisten Campingregeln keine Campingregeln. Es sind Benimmregeln.

Der wichtigste Anfängerfehler

Vielleicht besteht der größte Fehler darin, alles richtig machen zu wollen. Das wird ohnehin nicht funktionieren. Irgendwann fährt man los, während noch eine Schublade offen ist. Man vergisst den Adapter. Steht schief. Hat zu viel eingepackt. Bucht einen Campingplatz, der auf den Fotos wesentlich romantischer aussah. Oder sitzt bei Regen unter der Markise und fragt sich, warum man nicht einfach ein Hotel genommen hat.

Das gehört dazu. Vielleicht ist genau das sogar einer der Gründe, warum Camping nach mehr als 40 Jahren für mich noch immer funktioniert. Es ist nicht perfekt planbar. Man muss improvisieren, Dinge weglassen, Pläne ändern und gelegentlich über sich selbst lachen.

Und dann gibt es diesen anderen Morgen. Man öffnet die Tür. Draußen ist es still. Der Kaffee ist fertig, der Tag noch nicht verplant und plötzlich versteht man ziemlich genau, warum so viele Menschen immer wieder mit einem kleinen Zuhause auf Rädern losfahren.

Camping muss man nicht perfekt beherrschen.

Man muss einfach irgendwann anfangen.