Camping ist günstig. Das gehört zu diesen Sätzen, die sich erstaunlich lange halten. Vermutlich steht er irgendwo zwischen „Im Wohnmobil ist man völlig frei“ und „Wildcampen darf man doch für eine Nacht“.

Dabei stimmt er sogar. 

Manchmal.

Wer mit einem kleinen Zelt unterwegs ist, sein Fahrrad vor dem Eingang parkt und abends Nudeln auf dem Gaskocher warm macht, kann ziemlich günstig Urlaub machen. Wer dagegen mit einem 80.000-Euro-Wohnmobil auf einem Fünf-Sterne-Platz direkt am Gardasee steht, sollte sich mit dem Begriff Sparurlaub vielleicht etwas zurückhalten. Camping ist keine Preisklasse. Camping ist eine Reiseform. Und die kann sehr billig oder ziemlich teuer sein.

Was kostet ein Campingplatz?

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: dem Stellplatz. Eine Familie mit zwei Erwachsenen und einem Kind zahlt laut PiNCAMP 2026 in der Hochsaison auf einem deutschen Campingplatz durchschnittlich rund 41 Euro pro Nacht. Deutschland gehört damit im europäischen Vergleich sogar zu den günstigeren Campingländern. Anderswo sieht es anders aus. In Italien liegt der Durchschnitt bei gut 60 Euro, in Kroatien bei mehr als 70 Euro. Und Durchschnitt bedeutet natürlich: Es geht noch deutlich teurer.

Wer in der Hauptsaison einen beliebten Platz direkt am Meer bucht, vielleicht mit Poollandschaft, Animation und privatem Sanitär, kann inzwischen problemlos in Preisregionen kommen, in denen auch ein Hotel wieder interessant wird. Dazu kommen je nach Platz Strom, Hund, zusätzliche Personen, Kurtaxe, Dusche oder andere Extras. Die alte Rechnung „Campingplatz gleich 20 Euro“ funktioniert jedenfalls nur noch selten.

Das Fahrzeug ist der dickste Brocken

Der größte Kostenfaktor steht meistens schon vor der Reise vor der Tür. Ein Campervan oder Wohnmobil kostet Geld. Ziemlich viel Geld. Zum Kaufpreis kommen Versicherung, Steuer, Wartung, Reparaturen, Reifen, Hauptuntersuchung und eventuell ein Stellplatz für die Monate, in denen das Fahrzeug nicht unterwegs ist. Und natürlich Wertverlust. Gerade der wird bei der romantischen Rechnung gerne vergessen.

Wer für einige Wochen im Jahr verreist, sollte deshalb sehr genau überlegen, ob ein eigenes Fahrzeug wirtschaftlich überhaupt sinnvoll ist. Mieten kann teuer wirken, am Ende aber erheblich günstiger sein. Ich würde ohnehin jedem Camping-Anfänger empfehlen, zunächst zu mieten. Nicht nur wegen des Geldes.

Nach zwei Wochen weiß man sehr viel besser, ob man wirklich ein sieben Meter langes Wohnmobil braucht. Oder ob man sich darin hauptsächlich darüber ärgert, dass man mit dem Ding nicht in die Innenstadt fahren möchte.

Dann kommt der Sprit

Ein Wohnmobil bewegt nicht nur Menschen, sondern Küche, Schlafzimmer, Bad, Frischwasser und ziemlich viel Zeug durch die Gegend. Das merkt man an der Tankstelle. Je nach Fahrzeug, Motorisierung, Gewicht und Fahrweise kann der Verbrauch deutlich über dem eines normalen Pkw liegen. Dazu kommen auf längeren Reisen Maut, Fähren, Brücken oder Tunnel. Wer nach Skandinavien fährt, rechnet anders als jemand, der zwei Wochen auf einem Campingplatz an der Ostsee bleibt. Deshalb ist die Frage „Was kostet Camping?“ ohne die Frage „Wie campst du?“ eigentlich nicht zu beantworten.

Und dann kaufen wir Zeug

Camping hat eine bemerkenswerte Eigenschaft: Man entdeckt ständig Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie dringend braucht. Stühle. Tische. Grill. Kabeltrommel. Auffahrkeile. Wasserschlauch. Fahrradträger. Markise. Solaranlage. Powerstation. Espressomaschine. Irgendwann besitzt man eine faltbare Schüssel für 29 Euro und kann nicht mehr erklären, wie man vorher ohne sie leben konnte. Vieles davon ist praktisch. Vieles braucht man nicht. Mein Tipp für Einsteiger ist deshalb sehr einfach: Erst fahren, dann kaufen. Nach ein paar Reisen merkt man ziemlich schnell, was wirklich fehlt.

Selbstversorgung spart. Theoretisch.

Eine Küche gehört zu den großen Vorteilen des Campings. Frühstück vor dem Camper, Kaffee selbst kochen, abends Pasta statt Restaurant. Damit lässt sich tatsächlich Geld sparen. Theoretisch. Praktisch liegt der Campingplatz manchmal in Südfrankreich, das Restaurant direkt am Hafen und auf der Karte stehen Moules-frites und eine Flasche Rosé. Dann scheitert die Sparstrategie an den wirklich wichtigen Dingen des Lebens. Aber grundsätzlich gilt: Wer viel selbst kocht und einkauft, kann seine Urlaubskosten beim Camping gut kontrollieren.

Ist Camping nun günstig?

Es kann günstig sein. Das ist etwas anderes. Camping gibt einem sehr viel Kontrolle darüber, wofür man sein Geld ausgibtEin einfacher Stellplatz, selbst kochen, wenige Kilometer fahren: relativ preiswert. Luxusplatz am Mittelmeer, großes Wohnmobil, Restaurant und tägliche Ausflüge: nicht preiswert. Und genau darin liegt für mich ein Teil des Reizes. Man kann Camping ziemlich gut an das eigene Budget anpassen. Nur eines sollte man sich nicht einreden: Ein Wohnmobil für 80.000 Euro zu kaufen, damit man anschließend 120 Euro für ein Hotel spart, ist keine Sparmaßnahme. Es ist Camping. Und das ist als Begründung eigentlich völlig ausreichend.