Mein erster Campingurlaub liegt mehr als 40 Jahre zurück. Man sollte also meinen, dass ich inzwischen ziemlich genau weiß, wie es geht. Camping-Experte kommt ja nicht von ungefähr. Tja, trotzdem vergesse ich Dinge, kaufe Ausrüstung, die ich später kaum benutze, und stehe gelegentlich mit dem Camper so schief, dass morgens selbst der Kaffee eine leichte Schlagseite hat.
Das ist vielleicht die erste gute Nachricht für Camping-Anfänger: Man muss Camping nicht perfekt beherrschen. Viel wichtiger ist, überhaupt anzufangen und dabei herauszufinden, welche Art des Campings zu einem passt.
Wie möchte ich eigentlich reisen?
Bevor es um Fahrzeuge, Zelte oder Campingplätze geht, würde ich mir deshalb eine andere Frage stellen: Wie möchte ich unterwegs sein? Wer zwei Wochen an einem Ort verbringen will, kann mit einem Wohnwagen oder Zelt wunderbar glücklich werden. Wer alle zwei oder drei Tage weiterzieht, wird die Vorteile eines Wohnmobils schnell zu schätzen wissen. Und wer gerne Städte besucht, kleine Straßen fährt und auch im Alltag ein halbwegs handliches Fahrzeug möchte, sollte sich Campervans genauer ansehen. Es gibt nicht die beste Form des Campings. Es gibt nur eine, die besser zu den eigenen Reisegewohnheiten passt.
Nicht gleich einen Camper kaufen
Camping sieht auf Instagram hervorragend aus. Schiebetür auf, Meer davor, Kaffee in der Hand und selbstverständlich scheint die Sonne. Was man auf dem Bild nicht sieht: Seit elf Stunden regnet es, die nassen Jacken hängen über den Vordersitzen und irgendjemand muss dringend auf Toilette. Deshalb würde ich vor einem Kauf immer erst ausprobieren. Camper mieten, Zelt leihen oder ein Wohnmobil für ein verlängertes Wochenende buchen. Schon nach wenigen Tagen lernt man erstaunlich viel über die eigenen Bedürfnisse. Brauche ich wirklich eine Dusche? Möchte ich jeden Abend das Bett umbauen? Wie wichtig ist eine eigene Toilette? Reicht mir ein kleiner Kühlschrank? Und will ich mit diesem Fahrzeug tatsächlich durch eine enge Altstadt fahren? Wer danach immer noch begeistert ist, kann anfangen, Geld auszugeben. Die Campingbranche bietet dafür genügend Möglichkeiten.
Weniger einpacken
Fast jeder Anfänger nimmt zu viel mit. Das gilt für Kleidung und Lebensmittel, vor allem aber für Ausrüstung. Für die ersten Reisen braucht man erstaunlich wenig: etwas zum Schlafen und Sitzen, eine Kochmöglichkeit, Geschirr, Licht, wetterfeste Kleidung und je nach Fahrzeug die notwendige technische Grundausstattung. Alles Weitere entwickelt sich unterwegs. Ich habe mir angewöhnt, Dinge im Camper gelegentlich einer ziemlich einfachen Prüfung zu unterziehen. Was auf mehreren Reisen nicht benutzt wurde, muss zumindest erklären können, warum es weiterhin mitfahren möchte. Schließlich kostet jeder Gegenstand Platz und zusätzliches Gewicht.
Für die erste Tour muss es nicht bis ans Nordkap gehen
Der erste Campingplatz darf ruhig ein oder zwei Stunden von zuhause entfernt sein. Das klingt weniger abenteuerlich als ein dreiwöchiger Roadtrip durch Skandinavien, nimmt aber viel Druck aus der Sache. Wenn etwas fehlt, lässt es sich meistens organisieren. Wenn das Wetter komplett kippt oder man feststellt, dass Camping doch nicht die große Liebe ist, fährt man eben wieder nach Hause. Und wenn alles großartig ist, hat man schon nach dem ersten Wochenende verstanden, warum so viele Menschen diese Form des Reisens mögen.
Ein bisschen Technik gehört dazu
Beim Camping lernt man zwangsläufig ein paar neue Dinge. Wo kommt das Frischwasser hinein? Wohin mit dem Grauwasser? Wie funktioniert die Toilette? Wie schließe ich Strom an und wie viel Gas ist eigentlich noch in der Flasche? Das ist kein Hexenwerk, sollte bei einem Mietfahrzeug aber ordentlich erklärt werden. Ich mache bei einer Übergabe lieber ein Foto oder ein kurzes Video zu viel, als drei Tage später vor irgendeinem Ventil zu sitzen und zu überlegen, was mir der Mitarbeiter der Vermietstation dazu erzählt hat. Nach ein paar Tagen wirken die meisten Abläufe ohnehin selbstverständlich.
Ja, wir müssen über die Toilette reden
Eine Campingtoilette zu leeren gehört nicht zu den Momenten, die später im Fotoalbum landen. Es ist aber auch kein Drama. An der Entsorgungsstation wird die Kassette dort geleert, wo sie hingehört, anschließend gereinigt und wieder eingesetzt. Natürlich gehört der Inhalt niemals irgendwo in die Natur. Und wenn wir schon bei der Entsorgungsstation sind: Dort gibt es häufig unterschiedliche Schläuche für Frischwasser und Reinigung. Wer einmal gesehen hat, was manche Menschen mit dem Reinigungsschlauch anstellen, achtet danach sehr genau darauf, welchen Schlauch er in seinen Frischwassertank steckt.
Camping ist kein Wettbewerb
Auf dem Nachbarplatz steht vielleicht ein Wohnmobil mit Solaranlage, Satellitenschüssel, vier Fahrrädern, Gasgrill und einem Teppich vor der Markise. Das bedeutet nicht, dass man all diese Dinge ebenfalls braucht. Camping kann schnell zu einem Hobby werden, bei dem sich erstaunlich viel optimieren lässt. Das macht durchaus Spaß, kann aber auch davon ablenken, warum man überhaupt losgefahren ist. Denn am Ende geht es nicht darum, die perfekte Ausrüstung zu besitzen. Man ist unterwegs, schläft an Orten, an denen man sonst vielleicht nie übernachten würde, sitzt abends draußen und wacht morgens irgendwo anders auf.
Und wenn etwas schiefgeht?
Dann hat man später meistens eine gute Geschichte. Ich hatte Reisen mit Dauerregen, Technikproblemen, Mücken, Kälte und Hitze. Ich war auf Campingplätzen, die auf den Fotos erheblich schöner aussahen als in Wirklichkeit, und habe Dinge vergessen, die ich für unverzichtbar hielt. Trotzdem erinnere ich mich an die meisten dieser Reisen gerne. Vielleicht ist das deshalb mein wichtigster Tipp für Camping-Anfänger: Versucht nicht, den perfekten Campingurlaub zu planen. Sucht euch einen Ort aus, packt nicht zu viel ein und fahrt los.
Den Rest lernt man unterwegs.
