Irgendwann war es einfach gut, so konnte es nicht mehr weiter gehen. Ich wollte endlich Ordnung in mein Leben bringen und für Frieden in meinen vier Wänden sorgen. Ich würde, so mein naiver Plan, eine Anleitung für all meine Fernbedienungen schreiben.
Ja ja, ich weiß, mit iPhone & Co. ist heute alles so einfach. Man kann damit Autos mieten und verkaufen, Reisen planen und sein Leben organisieren. Aber nur weil dort auch ein MP3-Player eingebaut ist, heißt das nicht, dass jeder damit Musik hören kann. Oder genauer: jede Frau.
Ich habe wirklich alles versucht und auf das Telefon meiner Freundin Musik geladen, Playlisten angelegt und ihr sogar gezeigt, wie man das Gerät an die Stereoanlage anschließt, falls sie die Songs nicht per Kopfhörer hören will. Doch alles vergebens. Warum? Nur weil sie sich plötzlich entscheidet, statt Musik zu hören doch lieber kurz den Fernseher anzuschalten. Doch da beginnt dann schon das Drama: Welche Fernbedienung war das noch gleich – und wie kommt der Sound dann in die Stereoanlage?
Dazu muss ich sagen, dass all meine Audio- und Videogeräte von unterschiedlichen Herstellern kommen. Natürlich könnte ich mir mit einer lernbaren Fernbedienung helfen, allerdings streikt mein Fernseher dabei. Und will ich den Beamer nutzen, muss ich Kabel umstecken. Es ist also tatsächlich nicht so einfach, in meiner Wohnung auf auch nur eine Fernbedienung zu verzichten.
Aber ich hatte einen Plan: Was wäre, wenn ich meiner Freundin einfach mal aufschreibe, mit welcher Fernbedienung sie welche Funktion aufrufen kann? Grandios. Das musste doch klappen. Wie naiv von mir. Denn was hätte ich schreiben sollen: Willst Du fernsehen, musst Du die schwarze Fernbedienung nehmen und auf die Taste TV drücken, dann nimmst Du die andere schwarze Fernbedienung und wählst das Programm aus, welches Du sehen willst.
Das ist natürlich quatsch, denn es würde schon daran scheitern, dass meine Freundin überhaupt nicht wüsste, welchen Kanal sie einschalten wollte – zappen wurde für sie erfunden. Es ist erstaunlich, dass sie im Bruchteil einer Sekunde erkennt, ob der Film gut ist oder die Live-Reportage interessant. Sie muss ein Genie sein. Aber zurück zu der Anleitung.
Meine Lösung: Ich fotografierte jede Fernbedienung und schrieb für jede mögliche Anwendung eine detaillierte Anleitung. Neben jeden Schritt bildete ich die dafür benötigte Fernbedienung ab. Während ich fürs reine TV-gucken gerade einmal einen Schritt brauchte, musste ich den Schritten fürs Musik hören deutlich mehr Platz einräumen. Für jeden Verwendungszweg gab es also zum Schluss eine reich bebilderte Seite, insgesamt wurden es sechs. Die kamen in einen Hefter, auf den ich “Multimedia bei Blank” schrieb.
Rückblickend frage ich mich, was ich eigentlich erwartet habe. Eine Kinoeinladung vielleicht? Ein leckeres Abendessen mit den Worten :”Das hast Du Dir jetzt aber wirklich verdient!”? Oder wenigstens eine Umarmung und einen verliebten Blick? Ich hätte mit so vielen schönen Dingen gerechnet, als ich ihr voller Stolz die wirklich schöne und umfangreiche Anleitung überreichte.
Aber sicher nicht damit, dass sie plötzlich vor Lachen in Tränen ausbrach.