Jeden Tag die gleiche Frage: Ist heute bei Groupon ein spannendes Angebot dabei? Kann ich diesmal ein tolles Schnäppchen machen? Und jeden Tag sorgen die vermeintlichen Angebote für Ernüchterung.
Eigentlich bin ich kein typischer Schnäppchenjäger. Ich lauer nicht auf neue Prospekte, nur um dann in den entsprechenden Laden zu stürmen und dann zuviel Geld für die Angebote auszugeben. Obwohl, ganz stimmt das nicht. Bei neuen Angeboten von Media Markt und Saturn bin ich immer ganz nervös – auch wenn ich mir gar keine neues Gadget kaufen will. Und auch im Supermarkt um die Ecke schaue ich bei jedem Einkauf, welche Produkte dort gerade günstig angeboten werden.
Okay, ich bin vielleicht doch ein typischer Schnäppchenjäger. Und darum bin ich auch die ideale Zielscheibe für Groupon-Angeobte. Ich bin ein echter Groupie. Seit ein paar Monaten nutze ich die iPhone-App von Groupon. Jeden Tag schaue ich nach, ob sich ein tolles Schnäppchen machen lässt. Entdeckt habe ich den Dienst, als ein neuer Optiker mit unverschämten Rabatten lockte. Jetzt trage ich eine neue Brille – und bin süchtig nach neuen Schäppchen.
Neue Angebote zur Geisterstunde
Die Grundidee von Groupon ist nicht schlecht, jeden Tag stellt der Service Angebote in ganz Deutschland vor, nach Städten sortiert. Die meisten dieser Schnäppchen sind nur an diesem Tag gültig, um Mitternacht gibt es neue Angebote. Doch je mehr ich mich mit den täglichen Angeboten beschäftige, desto geringer ist meine Vorfreude auf den neuen Schnäppchentag. Klar, ich kann nicht erwarten, dass die vorgestellten Produkte und Dienstleistungen immer meinen Interessen entsprechen. Aber es wäre doch schön, wenn es nicht nur einmal alle paar Monate vorkommt. Und vor allem: Bei vielen vermeintlichen Schnäppchen handelt es sich um Restposten und um Produkte, die es anderswo ganz ohne Rabatt mindestens genauso günstig gibt.
So wird mir ein Fernseher aus dem vergangenen Jahr also Superdeal präsentiert. Statt 1400 Euro soll er nur schlappe 800 Euro kosten. Ein Blick auf Amazon zeigt, dass der Fernseher tatsächlich einmal 1400 Euro gekostet hat und beim größten Online-Händler ebenfalls für 800 Euro zu haben ist. Ob Sportgerät, Supermatratze oder Klapprad – immer wieder tauchen Produkte auf, die angeblich besonders günstig sein sollen, es aber gar nicht sind.
Sei Stylisch, sei Groupon
Auch schätzt mich der Schnäppchenservice offenbar völlig falsch ein und zeigt mir Klamotten, die besonders stylisch sein sollen. Aber T-Shirts mit Ed-Hardy-Aufdruck, Hamburg-Jacken, langweilige Adidas-Hosen aus der vorletzten Saison sind nicht stylisch, auch wenn die Groupon-Redakteure das noch so oft in die Produktbeschreibungen hineinschreiben.
Wenn ich wollte, könnte ich mich auch in “In”-Restaurants am Stadtrand rumtreiben und zwei Portionen Schlachteplatte zum Preis von einer in mich hineinstopfen – die idealen Angebote für die Generation XXL. Wer durch das fette Essen zu dick wird, kann sich gleich mit einem anderen Angebot Abnehmprodukte oder einen Sportkurs kaufen. Oder gar eine Schönheitsoperation zu Sonderkonditionen.
Ab an den Rentnersee
Besonders ärgerlich sind aber die furchtbaren Reiseschnäppchen, die es mir schmackhaft machen sollen, ein paar Nächte in ausgesuchten Hotels zu verbringen. Aber wo stehen die? Im Harz. Oder an irgendeinem Rentnersee, wo auch Kaffeefahrten hinführen. Groupon ist so eine Kaffeefahrt. Ein Shoppingfernsehkanal als App. Beim genauen inspizieren der Angebote kann ich förmlich die euphorischen Kommentare der Moderatoren hören. “Oh wie ist das schööööön!”, “Das Hawaii-Hemd steht Dir aber gut!”. “Wow, so schnell habe ich ja noch nie Brot geschmiert!”.
Also Groupon, ich will nicht in den Harz fahren und Diätpillen kaufe ich auch nicht. Ed-Hardy-Hemdchen sehen aus, als hätte ein Designer das billige Schnitzel aus einem anderen Angebot einfach auf den T-Shirts erbrochen. Es scheint allerdings nicht so einfach zu sein, interessante Geschäftspartner zu finden und sie von dem Schnäppchen-Konzept zu überzeugen. Viele Firmen wollen offenbar lediglich ihr Lager entschlacken und bieten Produkte bei Groupon an, deren gefühltes Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen ist.
Natürlich werde ich auch morgen schauen, was es neues gibt – einer muss es ja machen. Allerdings macht mir die Schnäppchenjagd keinen großen Spaß mehr