Gut gemacht, Mr. Jobs – und vielen Dank fürs iPhone

Jetzt ist es raus: Steve Jobs mag nicht mehr, kann nicht mehr. Der Apple-Chef ist zurückgetreten. Eine gute Entscheidung.

Endlich hat es ein Ende, das Rätselraten um den Apple-Chef. Die  unwürdigen Diskussionen darüber, ob Steve Jobs gesundheitlich dazu in der Lage ist, den größten Technologie-Konzern der Welt zu führen. Wie immer, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, hat Steve Jobs selbst den Zeitpunkt für seinen Rücktritt bestimmt. Nichts und niemand gibt einem wie Jobs das Tempo vor. Trotz schwerer Krankheit war er es, der die Geschicke von Apple lenkte – und das so erfolgreich, wie es kaum ein gesunder Konzernchef je vermocht hätte.

Er hätte so weiter machen können, bis sein Körper den Dienst quittiert hätte. Es wäre ihm zuzutrauen gewesen, dass er auf der Bühne gestorben wäre, gleich nach der Vorstellung eines neuen iProdukts. Doch so weit ließ er es zum Glück nicht komme. Er hat den absolut richtigen Zeitpunkt gewählt, um die Steve-Show zu beenden. Er hat den Gipfel erreicht, jeder weitere Schritt wäre ein Abstieg. Es fällt schwer, ohne Superlative über Steve Jobs zu reden. Er ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten auf dem Planeten, der Popstar unter den Unternehmern. Für viele Technikfreaks ist er nichts weniger als der iGott. Seinen Mitarbeitern muss er dagegen häufig wie ein Pharao vorgekommen.

Doch mit seinem Führungsstil hat Jobs Apple vom Nischenanbieter zum Mainstream geführt. Umberto Eco soll einmal gesagt haben: “Wer meine Bücher liest, fühlt sich intelligenter.” Das gilt auch für Apple, denn dessen Kunden fühlen sich smarter. Und immer mehr greifen wie Lemminge zu und wollen sich mit den iProdukten schlauer fühlen. Jeder hat eine Meinung zu Apple, zu iPhone und iPad. Die technische Revolution hat Steve Jobs vielleicht nicht zu verantworten, wohl aber, dass sich Technologien durchsetzen. Download-Musik, Smartphones und Tablet-Computer wären ohne Apple nicht so schnell zum Allgemeingut geworden.

Blendgranaten
“Kein Mensch schaut sich Filme auf den kleinen Displays an”, sagte Jobs einmal bei einer Präsentation. Er erklärte damit, weshalb die Videofunktion auf den Geräten nicht aktiviert war. Wenige Monate später stellte der gewitzte Unternehmer ein iPod-Video vor. Sein Gespür für den richtigen Moment ist perfekt. Und er wirft der Öffentlichkeit gerne Blendgranaten vor die Füße: Auch wenn das Unternehmen bereits seit Jahren an neuen Technologien arbeitet, hat Jobs vor Publikum gern den Sinn entsprechender Geräte bezweifelt. Wenn er schließlich meinte, die Zeit sei reif, zog er die “Innovation” aus der Tasche seiner Jeans.

Nun zauberte er seinen Rücktritt aus der Tasche. Es war klar, dass der Tag eines Tages kommen würde, doch Jobs wehrte sich mit aller Kraft dagegen. Trotz Auszeit und Heimarbeitsplatz entschied er über Designs und neue Funktionen. Künftig werden die Geschicke von jemand anderen gelenkt, wahrscheinlich von Tim Cook, seiner Krankheitsvertretung.

Es ist zu erwarten, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren noch einige Apple-Geräte präsentiert werden, die den Stempel von Steve Jobs tragen. Zeit genug, das Unternehmen neu aufzustellen. Denn die Zeiten für Apple haben sich geändert. Es steht zu befürchten, dass der Konzern künftig seine Strategie ändern wird, ändern muss. Ohne den charismatischen und visionären Jobs an der Spitze, wird sich Apple wahrscheinlich noch mehr dem Massenmarkt öffnen. Statt einem iPhone wird es verschiedene Versionen in unterschiedlichen Preisklassen geben. Der zeitliche Abstand zwischen Neuvorstellungen wird sich verkürzen, alleine schon, um die Aktionäre zu befriedigen. Ob eine inflationäre Produktschwemme das Fehlen von Steve Jobs wieder wett machen könnte, ist zumindest fraglich.

Jobs hat den Glauben an sein Unternehmen nicht verloren. Sein Abgang sei kein Fehler, sondern Funktion. Wie bei einer Produktvorstellung, wo er gerne fehlende Features als Erfolg verkauft hat, behandelt er auch seinen eigenen Abgang. In seiner Abschiedsmail schrieb Steve Jobs: ” Ich glaube, dass die besten und innovativsten Tage noch vor Apple liegen. Und ich freue mich darauf, den Erfolg von Apple in einer neuen Rolle zu sehen und dazu beizutragen.”

Perfekter Zeitpunkt
Sein Rücktritt kam zur rechten Zeit. Statt wie in der guten alten Zeit nur gegen Microsoft zu kämpfen, muss sich Apple inzwischen gegen Unternehmen aus allen Branchen behaupten. Die Gegner sind zahlreich und heißen Google, Facebook, Microsoft, Sony, Nintendo, HTC, Samsung, Warner, … – ja eigentlich sind alle Unternehmen der Welt potenzielle Gegner Apples. Einer wie Steve Jobs ist nicht mehr der richtige Verhandlungspartner an der Spitze eines Konzerns. Kompromisse sind gefragt – und Jobs ist kein Mann der leisen Töne. Doch inzwischen kann er nicht mehr uneingeschränkt die Regeln in dem Spiel vorgeben. Also beste Zeit, um aufzuhören.

Ein Projekt hat Steve Jobs allerdings noch vor sich, um sein Lebenswerk zu vollenden. Mit seiner verbliebenen Kraft treibt Jobs den Bau der neuen Apple-Zentrale voran. Das riesige, kreisrunde Gebäude ist sein letzter großer Traum. Sein Monument, seine Pyramide.

Das folgende Video zeigt noch einmal eindringlich, warum Steve Jobs in der Lage ist, so viele Menschen zu inspirieren.

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